{"id":137,"date":"2019-04-24T17:39:18","date_gmt":"2019-04-24T15:39:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/?p=137"},"modified":"2020-05-05T13:18:45","modified_gmt":"2020-05-05T11:18:45","slug":"thomas-meyer-wolkenbruchs-wunderliche-reise-in-die-arme-einer-schickse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/?p=137","title":{"rendered":"Thomas Meyer: Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Roman,&nbsp;Diogenes,&nbsp;Z\u00fcrich 2014.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein, ich habe den <a href=\"http:\/\/wolkenbruch-film.ch\/\">Film<\/a> noch nicht gesehen, mit Absicht. Zuerst wollte ich das Buch lesen. Und ich vermute, dass das Kopfkino in diesem Fall um L\u00e4ngen besser ist als der Film, aber das wird sich zeigen. Jahrelang hatte ich diesen Roman auf der mentalen &#8222;Zu-Lesen-Liste&#8220;, er war eben eines jener B\u00fccher, die man auf die lange Bank schiebt mit der \u00dcberzeugung, dass sich schon eine Gelegenheit ergeben wird, es zu lesen und ansonsten h\u00e4tte man auch nicht viel verpasst. Nun, da sich die Gelegenheit mit dem Argument von 1.90 Franken gewissermassen aufgedr\u00e4ngt hat, finde ich, man sollte die rund zweihundertsiebzig Seiten lieber lesen als diese ulkige Geschichte zu verpassen. Von der Handlung m\u00f6chte ich eigentlich nichts preisgeben, weil sich daraus gerade der gewinnende Reiz von Wolkenbruchs Reise ergibt. Man kann sich aber vorstellen, dass ein junger Mann von f\u00fcnfundzwanzig Jahren, der noch bei den Eltern und zudem in der etwas beengenden Geborgenheit der j\u00fcdischen Gemeinde lebt, der die F\u00fchler ausstreckt in jene auf ihn zun\u00e4chst befremdlich wirkende &#8222;Aussenwelt&#8220;, die ihn fremd im eigenen Haus werden l\u00e4sst, ohne Weiteres die eine oder andere Verwirrung stiften kann. Besonders, wenn seine Mutter und das zur \u00dcberdehnung neigende Verh\u00e4ltnis zu ihr derart witzig mit viel Situationskomik ausgemalt und im Sinne der Kunst \u00fcberzeichnet wird, so dass man bei der Lekt\u00fcre einfach nicht anders kann als laut herauszulachen. Wenige Seiten dauert es und man hat die Hauptfigur Motti ins Herz geschlossen und kann mit ihr mitf\u00fchlen, um sie dann doch wieder zu bekopfsch\u00fctteln, wenn sie mit einer f\u00fcr die Jugend typischen Tollpatschigkeit durch das Kuriosum zwischen Geburt und Tod stolpert, bisweilen auch torkelt, wenn sie &#8222;basojfn&#8220; ist. Der Einblick in die jiddische Sprache und die kulturellen Eigenarten der j\u00fcdischen Gemeinschaft er\u00f6ffnen auch einen ganz anderen Blick auf das heutige Z\u00fcrich. Mottis Verwandlung zum K\u00e4fer der Familie verwandelt Bilder und Befremdlichkeiten mit unbeschwerter Leichtigkeit und Humor in Geschichten und Vertrautheiten. Nur die Begegnung oder &#8222;bagegenisch&#8220; von Menschen, sei sie nun gewollt oder (vom Autor) schicksalshaft herbeigef\u00fchrt, erm\u00f6glicht es dem Ich im Sinne Bubers am Du etwas \u00fcber sich selbst zu lernen &#8211; je fremdartiger dabei das Du daherkommt, umso einfacher aber auch unverbl\u00fcmter kann oder muss sich das Ich selbst erkennen. Herr Wolkenbruch kann oft die Fettn\u00e4pfchen einfach nicht auslassen und ist daher weniger ein Held als ein Gleichnis f\u00fcr das vertrauensvolle Offensein f\u00fcr das Unbekannte in jeglicher Form: &#8222;Es geht auch nicht darum (&#8230;) die Zukunft zu sehen, sondern die Gegenwart, die unsichtbaren Teile der Gegenwart, in denen das K\u00fcnftige angelegt ist.&#8220; Dies zeigt sich eigentlich schon im ersten Satz, der ein kommendes Unheil ank\u00fcndigt: &#8222;Mottele, wo bist du? Ich mache mir sorgn!&#8220; Und schon beginnt&#8217;s zu rattern im Kopf&#8230;<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a href=\"https:\/\/www.diogenes.ch\/leser\/titel\/thomas-meyer\/wolkenbruchs-wunderliche-reise-in-die-arme-einer-schickse-9783257242805.html\">Das Buch beim Diogenes Verlag<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.salisverlag.com\/title\/thomas-meyer-wolkenbruchs-wunderliche-reise-die-arme-einer-schickse\">Das Buch beim Salis Verlag<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/ein-geplatzter-schiddech-1.17764095\">NZZ: &#8222;Ein geplatzter Schiddech&#8220;<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/rezensionen\/belletristik\/thomas-meyer-wolkenbruchs-wunderliche-reise-in-die-arme-einer-schickse-das-gesetz-der-mutter-11894952.html\">FAZ: &#8222;Das Gesetz der Mutter&#8220;<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/kultur\/buecher\/Vorwurf-Antisemitismus\/story\/24548166\">TA: &#8222;Vorwurf Antisemitismus&#8220;<\/a><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman,&nbsp;Diogenes,&nbsp;Z\u00fcrich 2014. 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