{"id":189,"date":"2020-02-11T17:09:20","date_gmt":"2020-02-11T16:09:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/?p=189"},"modified":"2020-12-25T16:46:39","modified_gmt":"2020-12-25T15:46:39","slug":"sabrina-janesch-die-goldene-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/?p=189","title":{"rendered":"Sabrina Janesch: Die goldene Stadt"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Roman, Rowohlt Verlag, Berlin 2017.<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"376\" src=\"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Screenshot-2020-12-25-164251-1024x376.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-236\" srcset=\"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Screenshot-2020-12-25-164251-1024x376.jpg 1024w, https:\/\/www.ausgelesen.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Screenshot-2020-12-25-164251-300x110.jpg 300w, https:\/\/www.ausgelesen.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Screenshot-2020-12-25-164251-768x282.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Machu Picchu, stets von einer Aura des Unbekannten umnebelt. (Bild: Wikipedia)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em> &#8222;Halten Sie die Augen weiter geschlossen, nur so k\u00f6nnen Sie wahrhaft erkennen.&#8220;<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Auf drei beliebig ausgesuchten Seiten dieses Romans kommt nach raschem \u00dcberfliegen mindestens zweimal das Wort &#8222;Gold&#8220; vor und das \u00fcberrascht nicht, beinahe w\u00e4re ich versucht, auf den etwas mehr als f\u00fcnfhundert Seiten tats\u00e4chlich nachzuz\u00e4hlen. Sp\u00e4testens ab der H\u00e4lfte ging mir das Wort schon t\u00fcchtig auf den Geist und war insofern eine \u00e4hnlich unangenehme Begleiterscheinung des Romans wie sein Protagonist. Was f\u00fcr ein unsympathischer Mensch! Und doch habe ich diese stellenweise widerspenstig und in teils unhaltbar plakativen S\u00e4tzen geflochtene Geschichte durchgehalten, denn gerade in der f\u00fcr einen Abenteuerroman untypisch unaufgeregten Erz\u00e4hlweise und im unerwartet Kuriosen der Motive lag ein gewisser Reiz. Dass das Tempo jedoch durchwegs gedrosselt bleibt und kaum je Fahrt aufnimmt, also nicht einmal in Kriegshandlungen, hat die Lesefreude schon recht gemindert. Vermutlich war es aber die eigene (wenigstens geistige) Entdeckernatur, die angestachelt wurde, wenn das Unerwartete auf jeder neuen Seite lauert. Man kann nicht anders und muss immer weiter, gerade so wie die Hauptfigur Berns. \u00dcberhaupt ist er eine gelungene Wahl, denn als introvertierter Antiheld und gl\u00fcckloser Gl\u00fccksritter scheint er \u00fcberhaupt nicht geeignet, \u00fcberhaupt Interesse zu wecken. Doch in seiner ambivalenten Charakteristik passt er zum sperrigen Arrangement der Avent\u00fcre und als gesamthafter Wurf stellt daher das Ganze eine Mischung von Huldigung und Verballhornung des Genres dar. Man gewinnt auch den Eindruck, dass dem ganzen eine intensive Rechercheleistung vorausgegangen ist, bis ins Detail wirkt alles sorgf\u00e4ltig. Und dann wachsen in den Anden auf einmal Aloe-Pflanzen, typische Gew\u00e4chse der alten Welt? Vieles schillert und gleisst, wie die Gebilde von Berns Vorstellungskraft, auch die Sprache mutet oft an wie ein tropischer Fiebertraum. Manche Passagen reduzieren sich auf assoziative Benennungen, als ob man die Mitschrift einer Therapiesitzung lesen w\u00fcrde, der Klang der Wortfolgen stimmt eher selten mit jenem der behandelten Zeit \u00fcberein &#8211; und es macht nicht immer den Anschein, als ob dieser Kontrast willentlich besteht. Vieles bleibt erstaunlich oberfl\u00e4chlich erw\u00e4hnt und wird nicht ausgef\u00fchrt, w\u00e4hrend anderes immer wieder kommt, eben wie das Gold, Gold, Gold oder die Tatsache, dass mehrmals Spannung zu erzeugen versucht wird, wenn der Fuss beim Klettern abrutscht. Dies k\u00f6nnte sogar auch ein Stilmittel gewesen sein, ein Tunnelblick aufs Edelmetall, dessen \u00e4usserliche Eigenschaften, um Figuren, Landschaften und Episoden zu gestalten. Aber eben, es scheint nicht durchwegs der Fall gewesen zu sein, oder tr\u00fcgt das vielleicht? Insgesamt eine durchaus anregende Tour durchs ausgehende neunzehnte Jahrhundert und die Lebenswelten in Deutschland und S\u00fcdamerika, stellenweise auch mit viel Unterhaltungswert dargestellt, wenn etwa den stattlich herausgeputzten Herren unter der \u00c4quatorsonne die Pomade aus den B\u00e4rten tropft. Der umfassende Nachhall liegt dennoch in den typischen Gedankenbildern, wie sie auch ein herk\u00f6mmlicher Abenteuerroman hinterlassen h\u00e4tte, mit einer angenehm bitteren Note, dass eben manches nur dank des Scheins, den seine Oberfl\u00e4chlichkeit zur\u00fcckwirft, gl\u00e4nzt und wertvoll wirkt. Und man klappt das Buch mit Lust auf die Andenwelt zu, n\u00e4chste Station: vielleicht ja wieder einmal Alexander von Humboldt. Der meint \u00fcbrigens schon recht fr\u00fch im Buch zu Berns: &#8222;Die goldene Stadt? (&#8230;) Sie delirieren ja!&#8220; Irgendwie hat er recht, sowohl als Zusammenfassung wie auch als Fazit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman, Rowohlt Verlag, Berlin 2017. &#8222;Halten Sie die Augen weiter geschlossen, nur so k\u00f6nnen Sie wahrhaft erkennen.&#8220; Auf drei beliebig ausgesuchten Seiten dieses Romans kommt nach raschem \u00dcberfliegen mindestens zweimal das Wort &#8222;Gold&#8220; vor und das \u00fcberrascht nicht, beinahe w\u00e4re ich versucht, auf den etwas mehr als f\u00fcnfhundert Seiten tats\u00e4chlich nachzuz\u00e4hlen. Sp\u00e4testens ab der H\u00e4lfte &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/?p=189\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eSabrina Janesch: Die goldene Stadt\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-189","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/189","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=189"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/189\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":238,"href":"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/189\/revisions\/238"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=189"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=189"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ausgelesen.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=189"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}